„FÜR MEHR GRÜN IN DER STADT UND EIN OFFENES RATHAUS“

Interview mit Bürgermeisterkandidatin Sonja Pickhardt-Kröpfel

Sonja Pickhardt-Kröpfel

PW: Also Sonja, ich habe mir zur Vorbereitung Interviews in anderen Parteizeitungen angesehen, welche in dem Stil „Ich bringe meine Botschaft an und du kreierst die Frage dazu“ geführt wurden. Ich würde das gerne anders machen und auch die heiklen Punkte ansprechen bzw. auch kritisch nachfragen.
Dein Engagement für den Klimaschutz und dein Wissen um jegliche Klimaziele, Vereinbarungen und Empfehlung dürfte mittlerweile ja hinlänglich bekannt sein. Und auch deine persönliche Lebensweise hast du dem angepasst, dich sieht man ständig mit dem Radl herumfahren, du hast jetzt eine PV-Anlage am Dach, hast eine ökologisch nachhaltige Seifenproduktion, kaufst deine Lebensmittel am Wochenmarkt und bei Solawi usw., lebst also laut unserem Bundeskanzler schon fast in der Steinzeit.
Aber gibt es irgendetwas, auf das du persönlich aus Klimaschutzgründen verzichtest? Etwas das dir schwer fällt?

SPK: Ja, da gibt es was. Ich reise sehr gerne zu anderen Kontinenten, doch das ist für mich in dieser Form heute nicht mehr möglich. Ich habe schon viel gesehen von der Welt, was für mich eine große Bereicherung ist, aber die Form, wie Reisen und Tourismus vor Corona betrieben wurde, ist für mich so nicht mehr möglich. Jetzt mache ich mehr Urlaub in Österreich. Bei künftigen Auslandsreisen werde ich versuchen, das Flugzeug auszusparen.
Verzicht ist jetzt vielleicht zu viel, aber ich versuche auch Autofahrten zu vermindern und bewusst eine Alternative zu überlegen.
Die Frage nach Verzicht ist grundsätzlich spannend, es bedeutet für mich mehr, die Muster der Vergangenheit zu hinterfragen. Verzicht heißt ja nicht Verschlechterung. Zum Beispiel mit dem Zug zu fahren, kann auch eine Verbesserung der Qualität bedeuten.

In Zeiten des Wahlkampfes überschlagen sich ja alle Parteien mit Forderungen und Versprechen, aber du als Bürgermeisterkandidatin könntest ja tatsächlich in die Situation kommen, grüne Forderungen umzusetzen. Die Forderung nach einer Fußgängerzone am Stadtplatz ist ein heißes Thema mit sehr verhärteten Fronten, beziehungsweise stehen die Grünen mit dieser Forderung relativ alleine da. Wie soll eine Umsetzung da funktionieren? Wie würdest du das als Bürgermeisterin angehen?

Ich würde das Thema mit allen Beteiligten wieder ausrollen. Es gab ja eine Bürgerbeteiligung und daraus konnte keine Abschaffung der FUZO erkannt werden. Mir geht es um ein qualitätsvolles und sicheres Stadtzentrum mit einer hohen Aufenthaltsqualität für alle. Alle Städte international, die ihr Stadtzentrum attraktiver machen, setzen auf weniger Autoverkehr und mehr Platz für Menschen und mehr Platz für Grün. Aus meiner Sicht haben wir in Vöcklabruck einen Rückschritt erlebt. Wir haben eine Art von Begegnungszone, wo keine Begegnung stattfinden kann – das Wort ist eher eine Begriffsverwirrung.
Auf jeden Fall würde ich den Antrag wieder in den Gemeinderat tragen.

Vor jeder Wahl wird der Kontakt mit den BürgerInnen ganz groß geschrieben, es gibt Treffen, Spaziergänge, offene Büros, Nachbarschaftsfeste usw., wo suggeriert wird, dass die Meinung und die Wünsche der BürgerInnen an erster Stelle stehen, und der Eindruck vermittelt wird, dass dies umgesetzt wird – sofern das Kreuzerl bei der richtigen Partei gemacht wird. Wie ehrlich geht man da mit potentiellen Wähler*innen um?

Das ist eine Frage der Ernsthaftigkeit der handelnden Personen. Wenn ich als Bürgerin einen Wunsch an Politiker*innen herantrage, dann hat diese Person sehr wohl die Möglichkeit, dem nachzukommen. Ein negatives Beispiel ist die Auflassung der Wohnstraße in der Maximilianstraße: Die Bürger*innen sind für die Wohnstraße und trotzdem wurde diese aufgelassen (gegen die Stimmen der Grünen). Anmerkung: Im Gemeinderat wurden mehr als 70 Unterschriften zur Beibehaltung vorgelegt und zwei Bürger haben vor den Gemeinderät*innen für die Beibehaltung plädiert.

Okay, noch eine Frage zu den Forderungen: biologisches und regionales Essen in den Schulen und Kindergärten! Die Eltern werden sicher nichts dagegen haben, wenn ihre Kinder ein gesünderes Essen erhalten, aber die Preise sind jetzt schon relativ hoch. Können sich das dann noch alle leisten? Das klingt eher nach einer Forderung für die Besserverdienenden?

Unsere Forderung ist, dass die Gemeinde das unterstützt und die Preise nicht erhöht werden. Dabei geht es auch um eine Förderung der biologischen und regionalen Landwirtschaft. Und es geht auch um Bewusstseinsbildung und diese sollte im Kindergartenalter beginnen. Wir müssen den Wert von guten Lebensmitteln wieder neu entdecken.

Gut, zum Thema E-Mobilität, da gibt es ja genügend Stimmen auch aus dem Umweltbereich und aus der Wissenschaft, die enorme Bedenken haben, was den Abbau der Rohstoffe, die Langlebigkeit und die Entsorgung betrifft? Wie kann man da immer noch den Ausbau der E-Mobilität fordern?

Ja sicher, die E-Mobilität ist jetzt der einzig richtige Weg, um in Richtung schadstofffreiem Verkehr zu gehen, bis jetzt gibt es keine andere Alternative insbesondere für den PKW-Verkehr. Und ja, jedes Auto verursacht bereits in der Produktion viel CO2-Ausstoß, aber ab einer bestimmten km-Anzahl fährt das E-Auto CO2 neutral und auch der Abbau von Erdöl darf bei herkömmlichen Autos nicht vergessen werden.

Klar ist, dass bei künftiger Mobilität auch der massive Ausbau des öffentlichen Verkehrs, verschiedene Sharing-Modelle und der Ausbau des Radverkehrs forciert werden müssen – es wird viele Bausteine geben müssen, um zukunftsfähige Mobilität zu sichern.

Du hast den Vortrag von Gregor Sieböck, dem Weltenwanderer, mitorganisiert und warst von seinem Vortrag und der Wanderung mit ihm sehr angetan. Du hattest auch Gelegenheit, dich mit ihm zu unterhalten, warst sehr fasziniert von seiner Sicht der Dinge und seinen philosophischen Überlegungen. Unter anderem hat er dir gesagt, dass du die Phase jetzt nicht so sehr als WahlKAMPF verstehen solltest, sondern dich auf die Sachen konzentrieren sollst, FÜR die du einstehst, die du bewegen möchtest.

Also FÜR was stehst du? Kannst du drei Sachen ganz konkret nennen?

  • Für mehr Grün in der Stadt, sprich mehr Bäume und Freiräume
  • Für ein offenes Rathaus, d.h., sollte ich Bürgermeisterin werden, dann würde ich einen Tag in der Woche alle Türen öffnen, um alle hinter die Türen sehen zu lassen, um ihre Anliegen dort vorzubringen.
  • Für die Energiewende mit ganz vielen PV-Anliegen und Energiegemeinschaften

Letzte Frage, es gibt ein Plakat von dir mit einer Schnecke. Hat es dich große Überwindung gekostet, den kleinen Schleimer auf die Hand zu nehmen?

(Lacht) Es war eine schöne Weinbergschnecke und … ja, der erste Kontakt war sehr vorsichtig, also mein erster intensiverer Kontakt mit der Unterseite einer Weinbergschnecke, aber manchmal muss man Herausforderungen einfach so nehmen, wie sie daherkommen – oder halt kriechen.

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