„Ich wollte diese Lücke schließen“

Im Gespräch mit Michael Mugrauer, der am Vöcklabrucker Stadtplatz einen Bio-Supermarkt eröffnen möchte.

Herr Mugrauer, Sie haben einige Jahre im Lebensmitteleinzelhandel gearbeitet, zuletzt als Franchisenehmer von Unimarkt. Was hat Sie dazu bewogen, jetzt einen Bio-Supermarkt in Vöcklabruck eröffnen zu wollen?

Ich kenne Vöcklabruck schon gut und komme immer gerne zum Einkaufen oder zum Genießen in die Innenstadt. Dabei ist mir aufgefallen, dass es am Stadtplatz eigentlich kein Lebensmittelgeschäft gibt. Da mir persönlich ein biologisches und regionales Lebensmittelangebot ein besonderes Anliegen ist, dachte ich mir, diese Lücke schließen zu wollen.

Warum Vöcklabruck – und wie war der Kontakt zur Stadt, als Sie sich nach geeigneten Flächen umgeschaut haben?

Mein potenzieller Franchisegeber und ich glauben, dass es in Vöcklabruck Bedarf und Platz für einen Bio-Supermarkt gibt. Von der Stadt habe ich mir keine Unterstützung geholt, nachdem mir der Bürgermeister in einem informellen Gespräch gesagt hatte, dass Willhaben.at das geeignetste Leerstandsmanagement sei. Also habe ich ein paar private Kontakte genutzt und mich – mit Unterstützung u.a. von Sonja Pickhardt-Kröpfel – selbst nach geeigneten Flächen umgesehen.

Die bevorzugte Fläche in der sogenannten „Generali-Passage“ steht seit rund zehn Jahren leer. Wie sind Sie an diese Fläche herangekommen? War es schwierig, mit den Eigentümer:innen ins Gespräch zu kommen?

Erst einmal sind wir vor Ort ins Versicherungsbüro der Generali hineingegangen und haben gefragt. Von der netten Dame am Schalter bekam ich die Telefonnummer des Hausbesorgers. Der hat sich für mein Interesse, die Fläche für einen Bio-Supermarkt anzumieten, Zeit genommen – danke dafür an dieser Stelle – und die Anfrage an die Immobilienverwaltung der Generali weitergeleitet. Parallel dazu hat mein Franchisepartner über einen Immobilienmakler nach leerstehenden Geschäftsflächen gefragt und diesen ebenfalls auf die Generali angesetzt. Und wahrscheinlich war es hilfreich, ein renommiertes Unternehmen im Hintergrund zu haben, um mit den Eigentümern schließlich ins Gespräch zu kommen.

Sie haben sich die Fläche letztlich ohne Hilfe der Stadt erschlossen. Was hätten Sie von einem städtischen Leerstandsmanagement erwartet – oder anders gefragt: Was würden Sie sich für künftige Interessentinnen und Interessenten wünschen?

Die Errichtung eines Supermarkts ist mit einer erheblichen Investition verbunden. Um diese Investition zu tätigen, braucht es nicht nur den Glauben an einen Standort, sondern konkrete Zahlen und Daten. Wünschenswert wären deshalb Frequenzdaten, Kaufkraftpotenziale und Bewohnerzahlen aus der Innenstadt und eventuell auch eine Kurzbeschreibung, welche Maßnahmen die Stadt zur Belebung der Innenstadt plant.

Ein Bio-Supermarkt am Stadtplatz. Glauben Sie, dass Vöcklabruck dafür bereit ist? Woher kommt Ihr Vertrauen in den Standort?

Ehrlich gesagt bin ich mir da noch nicht sicher. Wir sind noch dabei, uns konkrete Zahlen zu besorgen, etwa über die Wirtschaftskammer. Und ich habe mich einige Halbtage auf den Stadtplatz gesetzt und Fußgängerfrequenzen gezählt. Diese müssen noch auf Tage, Wochen und Monate hochgerechnet und mit ähnlichen Standorten verglichen werden.

Was braucht eine Innenstadt wie Vöcklabruck heutzutage, damit ein Geschäft wie Ihres funktionieren kann? Welche Rahmenbedingungen sind für Sie entscheidend?

Nicht nur mein Geschäft, jeder Handelsbetrieb braucht Frequenz. Das Zentrum muss in erster Linie für Erledigungen zu Fuß interessant sein. Es braucht Aufenthaltszonen wie Kaffeehäuser, Restaurants und Gastgärten, aber auch konsumfreien Raum und Verweilzonen. Und neben Handelsbetrieben auch ein Dienstleistungsangebot wie Banken und Ärzt:innen.

Sie und Ihr Franchisegeber stehen für Bio, Regionalität und fairen Handel. Wie schätzen Sie die Vöcklabruckerinnen und Vöcklabrucker ein? Wird so ein Konzept angenommen?

Ja, wir glauben, dass die Vöcklabrucker:innen ein solches Angebot annehmen würden. Die Frage, in welchem Ausmaß, müssen wir noch beantworten, um Investition und Ertrag unter einen Hut zu bekommen.

Letzte Frage: Wann soll der Bio-Supermarkt in Vöcklabruck aufsperren und was wünschen Sie sich von der Stadtpolitik bis dahin?

Sollten die Wirtschaftlichkeitsrechnungen für den Standort positiv ausfallen und die Gespräche mit den Eigentümern wie bisher fortschreiten, wären die Umbauarbeiten für Herbst/Winter und eine Eröffnung im März 2027 geplant.

Ob aus der Idee Wirklichkeit wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten – und hängt vor allem an einer Frage: Bringt unsere Innenstadt genug Frequenz, damit sich ein Geschäft wie dieses trägt? Eines aber zeigt der Fall schon jetzt: Bei einem jahrelangen, zentralen Leerstand wie dem ehemaligen Esprit in der Generali-Passage bewegt sich etwas, sobald sich jemand kümmert und dranbleibt. Genau deshalb braucht es ein städtisches Leerstandsmanagement, das Interessent:innen von Anfang an begleitet und mit geeigneten Flächen verbindet.

Ulli Meinhart

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