Artikel Stadttrommlerin „Innenstadt/Begegnungszone“ – Lange Version inkl. etwas mehr Frust 😊 , Version 19.03.2026
Von Ulli Meinhart

An dieser Stelle könnte ein langer, frustrierter Text über die erneute Abschaffung der Sommer-FuZo stehen. Darüber, dass seit 2018 über die Gestaltung einer Begegnungszone, die den Namen auch verdient, diskutiert wird. Darüber, dass seit Jahren eigentlich niemand mehr weiß, welche Verkehrsregelung am Stadtplatz eigentlich gerade gilt. Oder über einen Sommer im Zentrum der Stadt, der wieder zu heiß, zu asphaltiert und wenig einladend sein wird.
So einen Text möchte ich nicht schreiben – obwohl später doch ein paar Sätze zur Einordnung folgen werden. Ich möchte nämlich über etwas anderes schreiben:
Vöcklabruck ist so viel mehr als die ständigen Diskussionen über die Verkehrsregelung am Stadtplatz. Vöcklabruck hat eine Innenstadt, die größer ist als der Platz in ihrer Mitte. Lieber schreibe ich also über die Menschen und Unternehmen, die allen Umständen trotzen – und aufsperren, statt zuzusperren oder wegzugehen. Die trotz Wandel, Leerstand und endloser Diskussion ihre Betriebe in der Innenstadt halten, ihr Angebot weiterentwickeln, mit der Zeit gehen. Die seit Jahren oder Jahrzehnten für Frequenz sorgen – und denen man das vielleicht viel zu selten sagt.
Da gibt es z.B. das „Bun Voyage“ im Arkadenhof oder das „Eck Mek“ in der Salzburger Straße, die 2026 eröffnet haben, die ständigen Neuigkeiten im „Kleinstadtbiotop“, das neu eröffnete „Turm & Spitze“ am unteren Stadtplatz – um nur ein paar zu nennen. Dazu die Hinterstadt als kreatives Gesamtkunstwerk, der Stadt- und Freizeitpark, in dem das „Broooklyn Beach“ bald die neue Outdoor-Saison eröffnet, das OKH mit allem, was darin und rundherum passiert, und das großartige Angebot im Stadtsaal, das das ganze Jahr über stattfindet.
Diese Betriebe, diese Orte, diese Menschen – sie sind da. Und wenn über all die Unternehmen, die es gibt, über Gäste und Kund:innen, die trotzdem kommen, und all die anderen Stadtteile und kreativen Grätzel in Vöcklabruck genau so viel geredet und geschrieben würde wie über den Stadtplatz, seine aktuelle Verkehrsregelung oder diversen Leerstände, dann hätte Vöcklabruck wahrscheinlich gar kein Frequenzproblem mehr.
2018 wurde die damals langjährig geltende, temporäre Sommer-FuZo am oberen Teil des Stadtplatzes auf Drängen der Wirtschaft aufgehoben. Aus Transparenzgründen hier die Anmerkung, dass auch ich damals eine schön gestaltete Begegnungszone, einheitlich über den gesamten Stadtplatz, gut gefunden habe (ich war jung und wusste es nicht besser😊).
Und dann passierte ganz lange: NICHTS.
Das eigentliche Problem am Stadtplatz war nie die Frage Fußgängerzone oder Begegnungszone. Das Problem ist, dass seit 2018 keine einzige dieser Regelungen je mit einer tatsächlichen Gestaltung unterlegt wurde. Dabei hat es konkrete Pläne gegeben – von Architekturbüros ausgearbeitet, von Verkehrsplanungsbüros unterstützt und öffentlich diskutiert.
Was fehlte, war der gemeinsame Wille zur Umsetzung.
2023 wurde dann schließlich wieder eine temporäre Sommer-FuZo eingeführt, die aber im Herbst 2025 erneut aufgehoben wurde. Seitdem gilt am Stadtplatz wieder ganzjährig eine Begegnungszone. Klingt eh nach einem „okeen“ Kompromiss – wäre es auch, wenn der Stadtplatz entsprechend gestaltet wäre. Einen konkreten Zeitplan für die bei der Aufhebung versprochenen Gestaltungsmaßnahmen gibt es bis heute nicht. Vergessen wird dabei wieder einmal, dass der Stadtplatz, wie jeder öffentliche Raum, allen gehört. Allen. Was bedeutet, dass zwangsläufig auch alle Kompromisse eingehen müssen. Kompromisse, bei denen das Endergebnis ziemlich sicher nicht zu hundert Prozent den eigenen Vorstellungen entspricht. Für niemanden. Aber Kompromisse, die man dann auch umsetzt.
Die Grünen Vöcklabruck arbeiten, wenn auch zähneknirschend, an der Gestaltung einer Begegnungszone mit. Eine Begegnungszone, die tatsächlich endlich gestaltet wird, ist besser als alles, was in den letzten Jahren nicht passiert ist.
Stellen wir uns vor, was in der Vöcklabrucker Innenstadt möglich wäre, wenn die Politik endlich das liefert, was sie seit 2018 verspricht. Gestaltung, die zum Verweilen einlädt. Ein Stadtplatz, der seinen Namen verdient. Rahmenbedingungen, die Engagement unterstützen.
Das ist keine Frage des Hingehens mehr (Unseren Standpunkt dazu haben Petra Wimmer und ich in der letzten Ausgabe der Stadttrommlerin ausgeführt). Das ist eine Frage der politischen Verantwortung. Wenn hier jetzt endlich alle anfangen, gemeinsam weiterzuarbeiten – dann ist die aktuelle Ausgangslage hoffentlich der „Rock Bottom“, also der tiefste Punkt einer Situation, ab der es nur mehr aufwärts gehen kann. Es wäre dem Stadtplatz und uns allen zu wünschen.
INFO-KASTEN: Begegnungszone
Und für alle, die – so wie ich – auch keinen Überblick mehr haben, welche Verkehrsregelung am Stadtplatz eigentlich gerade gilt, hier eine kurze Auffrischung:
Seit Herbst 2025 gilt am Vöcklabrucker Stadtplatz ganzjährig eine Begegnungszone. Das bedeutet lt. österreichischer StVO § 76c u. a. konkret: Fußgänger:innen, Radfahrer:innen und Autos nutzen die gesamte Fahrbahn gleichberechtigt. Tempo maximal 20 km/h. Fußgänger:innen dürfen die gesamte Fahrbahn benutzen, aber den Fahrzeugverkehr nicht mutwillig behindern. Fahrzeuglenker:innen wiederum dürfen Fußgänger:innen weder gefährden noch behindern. Geparkt werden darf nur an ausgewiesenen Stellen. Die Durchfahrt ist erlaubt, Spielen auf der Straße hingegen nicht. Und: In Begegnungszonen zulässige bauliche Veränderungen wie Schwellen, Rillen, Bordsteine und dergleichen sollen zusätzlich die Verkehrssicherheit fördern oder dazu beitragen, dass die erlaubte Höchstgeschwindigkeit eingehalten wird.